Was mache ich eigentlich beruflich?

Als ich diese Frage in meiner ersten Blogparade stellte, wusste ich nicht, dass sich mein eigenes Berufsleben sich so fix ändern wird. Nach fast 4,5 Jahren habe ich nämlich meinen Aushilfsjob im Einzelhandel gekündigt und bin jetzt studentische Aushilfe in einem Planungsbüro für Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen von Gebäuden.

 

Wieso der plötzliche Wechsel?

Ich war jetzt über 4 Jahre im Einzelhandel. Begonnen habe ich als Kassierer und war ganz zufrieden damit. Es ist eine simple Sache. Man zieht die Waren über den Scanner, tippt die Nummern für das Obst und Gemüse ein und kassiert. Allerdings war mir das nach fast 2 Jahren zu langweilig und ich überlegte damals schon den Arbeitgeber zu wechseln. Zufällig kam genau dann meine Chefin zu mir und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, in die Obst- und Gemüseabteilung zu wechseln. Ich freute mich über die Abwechslung und ging voller Elan an die neue „Herausforderung“ ran. Sogar die neuen Arbeitszeiten (unter der Woche von 18-23 Uhr und samstags 16-21 Uhr) gefielen mir, da ich ja noch studiere.

Doch dann kam das Baby, mein Studium wurde anstrengender und erfordert mittlerweile sehr viel Arbeit zu Hause. Dazu kam, dass ich zwei bis drei Mal die Woche direkt von der Uni zur Arbeit musste. Somit verließ ich morgens um 7 Uhr das Haus und kam erst Mitternacht wieder heim, um etwas zu essen, schlafen zu gehen und um 5.30 Uhr wieder aufzustehen, damit ich wieder um 7 Uhr an der Bushaltestelle auf den Bus warten durfte. Das klingt echt scheiße und war es auch. Ich habe die Mädels kaum gesehen und wenn, dann war ich müde oder musste noch etwas für die Uni machen. So konnte es nicht weitergehen und ich schaute mich nach einem neuen Job um.

Einfach mal spontan sein

Im Schaukasten meiner Hochschule hängen immer aktuelle Jobangebote für uns Studierende. Dort wurde ich bei einem Gang zur Toilette während des Unterrichts fündig und schrieb der Firma, was ich so bisher gelernt habe und sie sich doch melden sollen, wenn sie meine Bewerbung haben möchten. Einige Stunden später bekam ich eine E-Mail zurück, dass ich die Unterlagen einreichen solle. Ich war ehrlich gesagt überrascht, bereitete alles vor und schickte es schon am kommenden Tag ab. Die darauf folgenden Tage waren nicht gut für meine Nerven. Dieses Warten machte mich kirre. Nach ganzen 4 Tagen kam der erlösende Anruf. Wir trafen uns dann am nächsten Abend im Büro. Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Bei einer Tasse türkischen Schwarztee sprachen wir über den Job, die Familie und was in der Zukunft mit der Firma passieren soll. Mein Chef sagte mir ganz klar, dass er eigentlich einen fertig ausgebildeten Ingenieur sucht und ich ihm nur 10% von dem liefern kann, was er eigentlich braucht. Dennoch will er mich in der Firma haben. Ich soll mitwachsen und sehr viel lernen, in alle Bereiche des Berufes schauen und fleißig sein. Genau das ist es, was ich gesucht habe und ich hoffe, dass ich da nicht enttäuscht werde.

Die Vorteile

Fangen wir mal mit den Arbeitszeiten an. Ich habe jede Donnerstag keinen Unterricht. Diesen nutze ich jetzt für die Arbeit. Ich verbringe dann meine 8-10 Stunden dort und muss dafür nicht mehr bis 23 Uhr oder am Wochenende arbeiten, wie es bei Kaisers der Fall war. Das nimmt eine ganze Menge an Stress raus aus meinem Alltag und bringt natürlich viel mehr Zeit für die Familie. Was noch enorm wichtig ist, ist dass ich in der Firma eine Zukunft habe, die Inhalte aus dem Studium festigen und ganz viele Erfahrungen sammeln kann.

Was mache ich da eigentlich?

Wie der Name schon sagt, plane ich die oben genannten Anlagen für Gebäude. Diese zeichne ich dann am Computer in den Grundriss ein und besuche dann die jeweilige Baustelle, um den Fortschritt zu dokumentieren und zu prüfen, ob das auch alles richtig eingebaut wird. Außerdem bin ich der kleine Sekretär für meinen Chef. Ich erstelle Pläne in Excel oder recherchiere diverse Sachen, die er benötigt.

Mein Studium

Hauptberuflich bin ich Student. Ich studiere Gebäude- und Energietechnik an einer Fachhochschule im Berliner Wedding. Momentan befinde ich mich im 3. Semester und habe somit die Hälfte schon geschafft.

Wie kam es dazu?

Um ehrlich zu sein, kann ich das auch nicht so genau sagen. Als ich damals das Gymnasium besuchte, wusste ich bis kurz vor dem Ende nicht, in welche Richtung ich gehen möchte. Ich wusste nur, dass ich nicht studieren wollte. Eine Ausbildung machen und Geld verdienen war der Plan. Als ich die Prüfung zum Abitur das zweite Mal verhaute und mit dem theoretischen Teil der Fachhochschulreife das Schulsystem verließ, wusste ich nur, dass ich etwas mit erneuerbare Energien machen wollte. Nachdem ich dann einige Wochen am schönen Ostseestrand das Ende der Schullaufbahn genoss, wurde es dann doch eng. Immerhin musste ja jetzt eine Ausbildungsstelle her. Abends durchforstete ich das Jobportal des Arbeitsamtes und wurde nirgends in Mecklenburg-Vorpommern fündig. Ich musste meine Suche bis Berlin erweitern. Dort fand ich dann eine Firma, die Schaltschränke baut und eine eigene private Schule besitzt, in der ich mich zum technischen Assistent für erneuerbare Energietechnik und Energiemanagement ausbilden lassen konnte. Ich kontaktierte die Schule und nachdem sie meine Abschlussnoten sahen, luden sie mich zu einem Bewerbungsgespräch ein. Die Woche drauf fuhr ich dann mit meiner Mutter nach Berlin und wir unterschrieben den Ausbildungsvertrag. Innerhalb von 2 Wochen fand ich sogar eine bezahlbare Wohnung und zog von zu Hause aus. Nach 3 Jahren war ich nun mit einem Notendurchschnitt von 1,4 technischer Assistent für erneuerbare Energietechnik und Energiemanagement (was für ein langer und sperriger Titel :D) und habe die Fachhochschulreife erlangt.

Und was jetzt?

Ja, nun stand ich wieder da. Mit diesen tollen Jobtitel war es laut dem Jobportal möglich, Solarmodule auf Dächer zu montieren und das war genau das, was ich nicht machen wollte. Also blieb mir nur noch der Weg an die Hochschulen. Ich bewarb mich an zwei Hochschulen und ich bekam sogar von beiden eine Zusage.

 

Wie es weiter ging, wisst ihr ja. Ich ging zu der Hochschule im Wedding und dort stecke ich noch immer. Ich bin froh, dass ich mich für diesen Studiengang entschieden habe und mittlerweile weiß, was ich die nächsten Jahre machen möchte.

About Florian

Florian, 26 Jahre jung und Vater der Möwe und der kleinen Krabbe. Zusammen mit der Möwenmama versucht er, den Alltag mit Studium und Kind nicht ins Chaos stürzen zu lassen.

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